20. August 2018

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Therapie-Möglichkeiten einer Fachklinik bei Thorakalsyndrom - Rückenschmerzen

Weiterführende Therapiemöglichkeiten bei Thorakalsyndrom

Rückenschmerzen Therapie Fachkliniken
II. Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik

Bei anhaltenden Schmerzen bei einem Thorakalsyndrom sollten rechtzeitig weiterführende Methoden aus dem Bereich der sog. „speziellen Schmerztherapie“ eingesetzt werden. Dabei gilt generell das Motto: Je früher desto besser.

Die spezielle Schmerztherapie ist ein Spezialgebiet mit sehr hohen Anforderungen und setzt große Erfahrungen voraus. Die optimale Therapie länger bestehender, vertebragener Schmerzen erfordert je nach Ursache eine ganz individuelle Kombination von verschiedenen Verfahren der speziellen Schmerztherapie. Dieses Behandlungskonzept bezeichnet man heute als multimodal, d. h., daß verschiedene Therapien aufeinander abgestimmt werden, um so das Schmerzproblem ganz gezielt anzugehen. Die weiter unten einzeln aufgeführten multimodalen Methoden, spez. die therapeutische Lokalanästhesie, setzen aber eine sehr gründliche fachärztliche Ausbildung voraus, weshalb sie nur in spezialisierten Einrichtungen angeboten werden können. Für einen optimalen Therapieerfolg ist in der Regel dazu ein mehrwöchiger Aufenthalt in einer Schmerzklinik notwendig.

Die Methoden einer Schmerzklinik im Einzelnen sind:

1. Therapeutische Lokalanästhesie/ kontinuierliche Blockade mit Katheter*

Bei der therapeutischen Lokalanästhesie werden (möglichst lang wirkende) örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika, z.B. Bupivacain) an bestimmten Stellen in den Körper eingebracht. Für die Injektionen werden sehr feine Nadeln verwendet, was von der Empfindung her dem Setzen von Akupunkturnadeln ähnelt. Die Betäubungsmittel werden entweder in die schmerzende Stelle (Infiltration) oder direkt an den schmerzleitenden Nerv gespritzt (Nervenblockade).

Die einfachste diesbezügliche Therapie ist die örtliche Infiltration der (meist) verspannten, an die Brustwirbelsäule angrenzende Muskulatur. Die zweite Möglichkeit ist die gezielte Infiltration von sog. Triggerpunkten (kleine Reizzonen, hpts. in der Muskulatur) nach vorheriger, exakter Identifizierung derselben.

Darüber hinaus können periphere temporäre Nervenblockaden (mehr oberflächliche, zeitlich begrenzte Nervenbetäubungen) eingesetzt werden. Insbesondere periphere (oberflächliche) Schmerzprojektionen entlang der Interkostalnerven sprechen gut auf wiederholte Interkostalblockaden an.

Eine weitere Möglichkeit beim Thorakalsyndrom sind rückenmarknahe (peridurale) Blockaden. Beim Einsatz im Bereich der Brustwirbelsäule muß allerdings eine sehr strenge Indikationsstellung (Abwägung von Nutzen und Risiko) erfolgen. Eine indirekte, peridurale Blockade im Bereich der BWS mit geringerem Risiko kann durch eine lumbale (den Lendenbereich betreffenden) Periduralblockade erfolgen. Dabei wird dann einfach das verabreichte Lokalanästhetika-Volumen so erhöht wird, daß auch die thorakalen Segmente erreicht werden. Auch hier kann die Kathetertechnik* im Bedarfsfall die Wirkung beträchtlich steigern.
Bei rückenmarknahen Blockaden können statt Lokalanästhetika auch verdünnte Morphin-Lösungen eingesetzt werden. Allerdings ist die über die Behandlungszeit hinaus anhaltende Wirkung deutlich geringer, da kaum eine Durchblutungsförderung eintritt. Bei sehr starken und sonst kaum noch behandelbaren Schmerzen können rückenmarknahe Blockaden auch durch kleine Schmerzpumpe, welche unter die Haut eingepflanzt werden, erfolgen. Das Arzneimittelreservoir der Pumpe wird hier regelmäßig durch die Haut hindurch mit Hilfe einer Spritze wieder aufgefüllt.

* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerv eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt minimal-invasiv (= gering verletzender Eingriff) durch eine handelsübliche Kanüle hindurch. Es muß also kein Schnitt wie bei klassischen OPs erfolgen, und, wie bei allen minimal-invasiven Verfahren üblich, ist dadurch der Aufwand sowie das Behandlungsrisiko extrem gering. Über diesen „Mini-Katheter“ wird dann mehrmals täglich, jeweils nach dem Nachlassen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachinjiziert. In manchen Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels auch eine kleine Pumpe angeschlossen angeschlossen werden. Der Trick an der Methodik ist der: Das Lokalanästhetikum wird dabei stets so dosiert, dass die normale Muskelkraft voll erhalten bleibt, aber die Schmerzreizleitung blockiert ist. Dadurch ist ein uneingeschränkter Tagesablauf möglich und es können begleitend krankengymnastische Übungen durchgeführt werden. Dass die schmerzlindernde Wirkung bis auf wenige Ausnahmen über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass diese Methode auch die sog. vegetativen Nerven betäubt. Daraus resultiert eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung (Sympathikolyse), was auch der Grund ist, warum gerade Schmerzen, die durch entzündliche, oder auch degenerative (= abnutzungsbedingte) Prozesse entstanden sind, sich hiermit sehr gut behandeln lassen. Eine bessere Durchblutung optimiert auch den Stoffwechsel eines gestörten oder bereits geschädigten Nervs. Nach neusten Erkenntnissen vermag eine solche, intensive, längerfristige Blockadebehandlung sogar das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen – ein immens wichtiger Aspekt zur Erlangung anhaltender Schmerzlinderung oder sogar Schmerzfreiheit.

2. Analgetikatestung

Zu Beginn eines stationären Aufenthaltes sollte (wenn möglich) eine sog. Analgetikatestung durchgeführt werden. Die Problematik besteht ja bei vielen Patienten darin, dass viele medikamentöse Therapien in der Vergangenheit nicht die gewünschte Wirkung gezeigt haben. Mit Hilfe dieser Maßnahme besteht aber zumindest für den Patienten die Chance, sollte ein Bedarfsfall später doch nochmals eintreten, wenigstens auf ein wirkendes Medikament zurückgreifen zu können.

3. Ergänzende Methoden

In einer Schmerzklinik werden ergänzende Methoden gezielt zur Unterstützung und Sicherung des Behandlungserfolgs eingesetzt, als reine Monotherapie (alleinige Behandlung) sind diese Methoden sonst allerdings meistens nicht ausreichend. Diese Methoden sind:

- Spezielle Schmerz-Akupunktur
- Hochtontherapie/ „Transkutane Nervenstimulation“ (TENS)
- Physiotherapie (Krankengymnastik und andere Anwendungen): Im Rahmen einer multimodalen Schmerztherapie ist bei der Behandlung von einem Thorakalsyndrom die sog. „heilgymnastische Therapie“ unverzichtbar. In den meisten Fällen ist nur diese geeignet, den ärztlichen Behandlungserfolg zu sichern und längerfristig zu stabilisieren. Aus diesem Grund erfolgt die heilgymnastische Therapie in einer Schmerzklinik in sehr enger Rücksprache mit dem behandelnden Arzt. Dabei werden die Muskeln neben der Wirbelsäule trainiert, da auf Dauer nur eine kräftige bzw. suffiziente Rückenmuskulatur eine statische und dynamische Schwäche des Achsenorgans effektiv kompensieren kann.
- funktionelle Ergotherapie bzw. Rückenschule: Wichtig sind hier individuelle Instruktionen zur richtigen Haltung und Vermeidung einer übermäßigen Wirbelsäulenbelastung. Darüber hinaus ist es sehr sinnvoll, dass Patienten mit einem Thorakalsyndrom gezielte Übungen zur Lockerung ihrer Mus kulatur erlernen.
- Biofeedback (Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale)
- Gezielte Chirotherapie
- Hypnoide (bewußtseinsverändernde) Verfahren, wie z. B. das autogene Training oder die progressive Relaxation nach Jakobson sind im Rahmen einer psychologischen Mitbetreuung eine sinnvolle Ergänzung. Zudem ist bei eine chronischen Thorakalsyndrom auch ein Schmerzbewältigungstraining meist sinnvoll.

Wenn Schmerzen bereits längerfristig bestehen, kann man davon auszugehen, daß nach der sog. „Mainzer Stadieneinteilung“ bereits die Chronifizierungsgrade II oder III vorliegen. In solchen Fällen ist eine rein körperbezogene Behandlung oft nicht mehr ausreichend, so daß zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen sollten. Psychotherapeutische Interventionen können bei ausgeprägten "psychosomatischen BWS-Schmerzen" sinnvoll sein, da verdrängte Konflikte u. U. muskuläre Verspannungen und Schmerzen verstärken können.
Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim


Thorakalsyndrom   Thorakalsyndrom

Rückenschmerzen   Rückenschmerzen

Verwandte Suchbegriffe zu Rückenschmerzen:
Vertebragene Schmerzen, Kreuzschmerzen, Chronische Rückenschmerzen, Rückenleiden, Rückenbeschwerden, Kreuzbeschwerden, Kreuzweh, low back pain

Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser

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