19. Oktober 2017

Top6 Themen: Oberbauchschmerzen - Bauchschmerzen

Oberbauchschmerzen

Oberbauchschmerzen Bauchschmerzen Themen und Krankheit
Der Oberbauch ist die Bauchregion oberhalb des Nabels. Chronische Bauchschmerzen in dieser Region gehen in den meisten Fällen vom Magen und der Bauchspeicheldrüse aus.

Die möglichen Ursachen für Oberbauchschmerzen sind:
1. Eine relativ häufige Affektion (Störung bzw. Erkrankung) der Bauchspeicheldrüse ist die chronische Pankreatitis. Bauchschmerzen können dabei durch Alkohol oder Essen ausgelöst oder verstärkt werden, sie werden als dumpf und z. T. „schneidend“ beschrieben. Schmerzausstrahlungen bis in den Rücken sind möglich (sogar bis zwischen die Schulterblätter). Im späteren Verlauf können die Beschwerden über Tage bis hin zu Wochen anhalten, nur in seltenen Fällen kommen schmerzfreie Verläufe vor (ca. 6 %).
Die häufigste Ursache der Pankreatitis ist, zumindest in den westlichen Ländern, ein Alkoholmissbrauch.
Weitere mögliche Ursachen sind, Arterienverkalkung, Gallenwegserkrankungen, Störungen im Hormon- und Fettstoffwechsel, Verstopfung des Pankreasganges und Missbildungen. Oft bleibt die Ursache aber auch im Verborgenen.

2. Eine Affektion (Störung bzw. Erkrankung) des Magens ist meistens auf eine chronische Gastritis (chronische Entzündung der Magenschleimhaut) zurückzuführen. Mögliche, Häufige Ursachen sind:

a) Befall der Magenschleimhaut mit dem Bakterium Helicobacter pylori (85 % der Fälle).
b) übermäßiger Alkohol- und/ oder Nikotingenuß
c) Medikamente (z. B. Analgetika, insb. Rheumamittel, Kortison)
d) Autoimmunerkrankung: Das Immunsystem bildet Abwehrstoffe (Antikörper) gegen die Magenschleimhautzellen.

Seltenere Gastritisformen sind erstens die granulomatöse Gastritis (mit knötchenartigen Veränderungen einhergehende Gastritis, z. B. bei Morbus Crohn, Tuberkulose, Sarkoidose (eine Krankheit, die mit zahlreicher Knötchenbildung einhergeht), und zweitens die eosinophile Gastritis (z. B. im Rahmen einer eosinophilen Gastroenteritis (gleichzeitige Schleimhautentzündung des Magens und des Dünndarms)).

Neben „normalen“ Bauchschmerzen kommt es bei der chronischen Gastritis zu uncharakteristischen Beschwerden, z. B. Blähungen, Völlegefühl nach den Mahlzeiten und Aufstoßen.

3. Die sog. Dyspepsie steht als Begriff für eine Reihe von Oberbauchbeschwerden mit unterschiedlicher Entwicklung bzw. Entstehung (Genese). Hier sind zu nennen:

a) chronischer Gastritis
b) Motilitätsstörungen (Störungen im Bewegungsablauf von Magen und Darm)
c) Ulcera ventriculi et duodeni (Magen- und Zwölffingerdarm-Geschwüre)
d) Refluxösophagitis (Entzündung der Speiseröhrenschleimhaut durch Einwirkung von aufsteigendem Magen- oder Zwölffingerdarm-Saft)
e) Achalasie (Funktionsstörung infolge fehlender Erschlaffung der glatten Magen- und Darm-Muskulatur)
f) Sklerodermie (chronisch verlaufende Krankheiten mit bindegewebiger Verhärtung)
g) peptischer Stenose (magensaftbedingte Enge)

Typisch für abdominale Schmerzen im Zusammenhang mit der Dyspepsie sind z. B. Übelkeit, Völlegefühl, Sodbrennen, etc..

4. Auch die Darmerkrankungen Morbus Crohn und Kolitis ulcerosa können Bauchschmerzen oberhalb des Nabels bewirken. Meistens sind von den Beschwerden dann allerdings aber noch andere Bauchabschnitte in Mitleidenschaft gezogen (s. u.).

5. Des Weiteren kann die Cholezystitis noch zu (chronischen) Bauchschmerzen oberhalb des Nabels führen. Die Cholezystitis ist eine Entzündung der Gallenblasenwand, welche i. d. R. durch Gallenblasensteine verursacht wird (akute Cholezystitis). Seltener bewirken große Bauch-OPs, Infekte oder Unfälle eine (begleitende) Gallenblasenentzündung. Eine chronische Cholezystitis ist möglich, Frauen erkranken dabei häufiger als Männer.

6. Im Zuge eines sog. Übertragungsschmerzes können auch akute Erkrankungen des Herzens (z. B. bei einem Herzinfarkt) als Bauchschmerzen oberhalb des Nabels imponieren.

7. Tumore können ebenfalls zu anhaltenden Oberbauchschmerzen führen.

Des weitere gibt es noch einige Krankheitsbilder, die nicht eindeutig nur den Oberbauch oder den Unterbauch betreffen, sprich also auch (ergänzend oder parallel) Unterbauchschmerzen (mit) hervorrufen können. Diese sind:

1. Morbus Crohn
2. Kolitis ulcerosa
3. Verwachsungsbauch
4. Kolon irritabile (Reizkolon)
5. Tumore bzw. Metastasen (Tochtergeschwülste, abgesiedelte Tumore)

Chronische Bauchschmerzen dieser Art, die also den gesamten Bauchbereich betreffen geben häufig Anlaß einen erfahrenen Schmerztherapeuten zu kontaktieren.


Therapie von Oberbauchschmerzen

Hier gibt es heute folgende Möglichkeiten:

I. Kausale Therapien

II. (begleitende) Allgemein-schmerztherapeutische Ansätze

III. Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik


Im Rahmen einer gegen die Ursache gerichtet, kausalen Therapie wird der behandelnde Arzt bzw. Facharzt immer versuchen, die ursächliche Grunderkrankung erfolgreich anzugehen. Parallel bestehende Bauchschmerzen können dabei grundsätzlich durch begleitende, allgemeine schmerztherapeutische Ansätze behandelt werden.

Zeigen die kausalen Ansätze zu wenig Wirkung, so daß Bauchschmerzen bestehen bleiben und chronisch werden, sind Methoden von erfahrenen Schmerztherapeuten gefragt. In einigen Fällen ist es auch empfehlenswert sich direkt an eine Schmerzklinik zu wenden.

I. Kausale Therapien

Eine kausale Therapie richtet sich generell nach der verursachenden Grunderkrankung. Mögliche Therapien sind z. B.:

- Medikamentöse Therapien
- Umstellung der Ernährungs- bzw. Trinkgewohnheiten
- Darmsanierungen (z. B. bei Parasitenbefall)
- Operative Maßnahmen

Welche Therapie bzw. welche Therapien im Einzelfall die richtige bzw. richtigen sind muß jeweils genau abgewägt werden. Empfehlenswert ist grundsätzlich, v. a. vor der Durchführung von Operationen, sich die Meinung von mehreren (Fach-)Ärzten einzuholen.

Wichtiger Hinweis: Bei entzündlich bedingten Bauchschmerzen, speziell bei Morbus Crohn, stellt die sog. kontinuierliche, epidurale (nahe am Rückenmark) Blockade mit Katheter (Methode der speziellen Schmerztherapie einer Schmerzklinik) eine fast kausale Therapie dar, da sie eine mangelhafte Durchblutung (wieder) in Gang bringt. In manchen Fällen kann sie eine OP verhindern oder lange hinauszögern (Details s. u.. Der Nachweis wurde über eine englische Studie erbracht).

II. (begleitende) Allgemein-schmerztherapeutische Ansätze

- Medikamentösen Schmerztherapie: Hier eignen sich hauptsächlich sog. Spasmolytika, das sind Mittel gegen Krampfzustände, so z. B. Buscopan®. Sog. nicht steroidale Antirheumatika (Rheumamittel) werden eher schlechter vertragen. Schwere Schmerzen sind manchmal dagegen nur durch zentral (im Gehirn / Rückenmark) wirkenden Analgetika (z. B. Tramadol, Valoron N®) zu lindern. Auf die Gefahr einer Schmerzmittelgewöhnung oder gar -abhängigkeit ist grundsätzlich zu achten.
Eine Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva (Mittel gegen Depression, u.a. aber auch bei diesen Schmerzen wirksam) kann in vielen Fällen Schmerzmittel einsparen.

- Akupunktur

- Manuelle Ansätze (z. B. Wärme in Form einer Wärmflasche) oder auch bestimmte Getränke (z. B. warmer Kräutertee bei Magenbeschwerden)

- In manchen Fällen kann evtl. auch eine gezielte Physiotherapie eine Unterstützung bewirken.

III. Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik:

Die spezielle Schmerztherapie ist ein Spezialgebiet mit sehr hohen Anforderungen und setzt große Erfahrungen voraus. Die optimale Therapie bei chronischen Bauchschmerzen erfordert oftmals eine ganz individuelle Kombination von verschiedenen Verfahren der speziellen Schmerztherapie, v. a. aber den gezielten Einsatz der therapeutischen Lokalanästhesie, welche optimal nur durch regelmäßige Anwendungen im Rahmen eines stationären Aufenthalts zum Einsatz kommen kann.

a) Ausführliche Information(en)

b) Analgetikatestung (Methode zur Auswahl des optimalen Medikaments, auf welches ein Patient auch in einem evtl. später noch einmal auftretenden Bedarfsfalls zurückgreifen kann.). Neben „klassischen“ Analgetika stehen hier noch Spasmolytika (Mittel gegen Krampfzustände) und schmerzlindernde Psychopharmaka (auch als Infusionen, individuell ausgetestet) zur Verfügung.

c) Therapeutische Lokalanästhesie

Bei der therapeutischen Lokalanästhesie werden (möglichst lang wirkende) örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) (z. B. Bupivacain) an bestimmten Stellen in den Körper eingebracht – bei Bauchschmerzen in dem Abschnitt zwischen Becken und Brustkorb. Für die Injektionen werden sehr feine Nadeln verwendet, was von der Empfindung her dem Setzen von Akupunkturnadeln ähnelt.

Die einfachste Methode ist eine wiederholte Triggerpunkt-Behandlung. Dabei werden schmerzhafte Reizpunkte in der entsprechenden Head Zone (= eine über das zugehörige Rückenmarksegment laufende Querverbindung zu dem zugeordneten inneren Organ) am Bauch infiltriert, wodurch es neben der erwünschten Schmerzstillung zu einer Entkrampfung und damit Durchblutungssteigerung der zugehörigen Eingeweide kommt.

Im nächsten Schritt, mit einer deutlich größeren Effektivität, steht die kontinuierliche epidurale (rückenmarknahe) Blockade mit Katheter* zur Verfügung. Diese Methode hat neben der Schmerzlinderung v. a. den vorteilhaften (Neben-)Effekt einer Durchblutungsförderung durch parallele Betäubung des sog. Grenzstrangs (paarige Nervenstränge des unwillkürlichen Nervensystems neben der Wirbelsäule). Das ist bei jeder entzündlichen Schmerzursache (Morbus Crohn, Kolitis ulcerosa, Gastritis, Adhäsionen, etc.) von großem Vorteil (speziell bei Morbus Chron zur Vermeidung/ Hinauszögerung von OP-Maßnahmen, s. o.). br>
Auch tumorbedingte, abdominale Schmerzen können mit dieser Methode behandelt werden, allerdings setzt man dann eine Morphin-Lösung anstelle eines Lokalanästhetikums ein, da hier eine durchblutungsfördernde Gefäßerweiterung nicht gewünscht ist, weil diese eine weitere Streuung der Krebszellen begünstigen würde.

d) Ergänzende Methoden

In einer Schmerzklinik werden ergänzende Methoden gezielt zur Unterstützung und Sicherung des Behandlungserfolgs eingesetzt, als reine Monotherapie (alleinige Behandlung) sind diese Methoden sonst allerdings meistens nicht ausreichend. Diese Methoden sind:

- Spezielle Schmerz-Akupunktur
- Hochtontherapie/ „Transkutane Nervenstimulation“ (TENS)
- Physiotherapie (Krankengymnastik und andere Anwendungen): Allgemeine Maßnahmen werden in jeder Schmerzklinik bei Bedarf angewendet. Im Rahmen einer multimodalen Schmerztherapie sind sie in direkter Kombination zu anderen Therapieverfahren eine gute Ergänzung (z. B. gezielte Kolonmassagen).
- Wärme/ Kälte
- Entspannungsverfahren oder Hypnoide (bewußtseinsverändernde) Verfahren, wie z. B. das autogene Training oder die progressive Relaxation nach Jakobson sind im Rahmen einer psychologischen Mitbetreuung eine sinnvolle Ergänzung. Zudem ist auch ein Schmerzbewältigungstraining meist sinnvoll.
- diätetische Maßnahmen

Wenn chronische Schmerzen bereits längerfristig bestehen, kann man davon auszugehen, daß nach der sog. „Mainzer Stadieneinteilung“ bereits die Chronifizierungsgrade II oder III vorliegen. In solchen Fällen ist eine rein körperbezogene Behandlung oft nicht mehr ausreichend, sodaß zusätzlich psychologisch / psychotherapeutische Interventionen erfolgen sollten.

* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerv eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt minimal-invasiv (gering verletzender Eingriff) durch eine handelsübliche Kanüle hindurch. Es muß also kein Schnitt wie bei klassischen OPs erfolgen, und, wie bei allen minimal-invasiven Verfahren üblich, ist dadurch der Aufwand sowie das Behandlungsrisiko extrem gering. Über diesen „Mini-Katheter“ wird dann mehrmals täglich, jeweils nach dem Nachlassen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachinjiziert. In manchen Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Der Trick an der Methodik ist der: Das Lokalanästhetikum wird dabei stets so dosiert, dass die normale Muskelkraft voll erhalten bleibt, aber die Schmerzreizleitung blockiert ist. Dadurch ist ein uneingeschränkter Tagesablauf möglich und es können begleitend krankengymnastische Übungen durchgeführt werden. Dass die schmerzlindernde Wirkung bis auf wenige Ausnahmen über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass diese Methode auch die sog. vegetativen Nerven betäubt. Daraus resultiert eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung (Sympathikolyse), was auch der Grund ist, warum gerade Schmerzen, die durch entzündliche, oder auch degenerative (abnutzungsbedingte) Prozesse entstanden sind, sich hiermit sehr gut behandeln lassen. Eine bessere Durchblutung optimiert auch den Stoffwechsel eines gestörten oder bereits geschädigten Nervs. Nach neusten Erkenntnissen vermag eine solche, intensive, längerfristige Blockadebehandlung sogar das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen – ein immens wichtiger Aspekt zur Erlangung anhaltender Schmerzlinderung oder sogar Schmerzfreiheit.





Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim


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Verwandte Suchbegriffe zu Bauchschmerzen:
Bauchbeschwerden, Abdominale Schmerzen, Abdominelle Schmerzen, viszerale Schmerzen, Abdomen, Oberbauchschmerz, Unterbauchschmerz

Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser

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