12. Dezember 2017

Top6 Themen: Beinschmerz - Arm und Beinschmerzen

Beinschmerz

Beinschmerz Arm und Beinschmerzen Themen und Krankheit
Das Bein, vom Lateiner „Extremitas inferior“ genannt, besteht aus dem Oberschenkel (Femur), Knie (Genu), Unterschenkel (Crus) und dem Fuß (Pes). Dementsprechend können anhaltende Beinschmerzen durch sehr unterschiedliche Erkrankungen verursacht werden, weshalb eine gründliche Diagnostik entscheidend ist.

Am häufigsten sind bei Beinschmerzen der Ischias-Nerv (N. ischiadicus) und seine Endäste beteiligt, bzw. die Schmerzleitung erfolgt über diese.
Grob kann man Beinschmerzen aber in vier Gruppen einteilen. Diese sind: Beinschmerzen, die durch den Ischiasnerv verursacht werden, Beinschmerzen, die vom vorderen Oberschenkelnerv (N. femoralis) ausgehen, Beinschmerzen, die vom Plexus lumbalis (Nervengeflecht) ausgehen und Beinschmerzen, die von Blutgefäßen ausgehen.


Ursachen: Beinschmerz

Beinschmerzen, die vom Nervus ischiadicus ausgehen:

- Ischialgie

Die Ischialgie beschreibt Schmerzen, die im Bereich des N. ischiadicus auftreten. Diese müssen aber nicht zwangsläufig den kompletten Nervenverlauf, vom Gesäß über den rückwärtigen Oberschenkel, den äußeren, hinteren Unterschenkel bis zur Großzehe, umfassen, sondern können je nach Ursache auch nur einzelne Abschnitte betreffen.
Am häufigsten wird die Ischialgie durch den peripheren Projektionsschmerz bei Erkrankungen der spinalen Nervenwurzeln L4-S3 verursacht. Da diese Form der Ischialgie häufig mit Schmerzen im Lumbalbereich (Lumbalgie) einhergeht, wird sie auch Lumboischialgie genannt. Bei der echten Ischiasneuralgie, als eigenständiges Krankheitsbild, treten häufig attackenförmige Beinschmerzen von wenigen Sekunden Dauer auf.
Andere Ursachen für Ischiasschmerzen sind Verletzungen oder Operationen im Bereich der Hüfte und des Oberschenkels. Es bestehen dann aber meist Dauerschmerzen bzw. länger anhaltende Schmerzepisoden.
Auch falsch gesetzte Spritzen ins Gesäß können Beinschmerzen verursachen. Diese Komplikation tritt oft bei Rheumamitteln auf und das Krankheitsbild ähnelt der Kausalgie.
Nervenentzündungen (Neuritis) des Ischias können durch die Zuckerkrankheit (bei der Polyneuropathie) oder auch durch Alkoholmissbrauch verursacht werden. Die Beinschmerzen treten hierbei beidseitig auf.
Als letztes sind noch Vergiftungen mit Schwermetallen, wie z.B. Thallium, Blei oder DDT, zu nennen, welche auch zu einer Ischialgie führen können. Typisch hierbei sind motorische und sensible Störungen.

- Fibulaköpfchen-Syndrom
Das Fibulaköpfchen-Syndrom verursacht chronische Schmerzen im Bereich der Unterschenkelaußenseite und des Fußrückens. Der N. peroneus communis (ein Nervenast des N. ischiadicus) liegt unmittelbar am Fibulaköpfchen an und kann dort leicht komprimiert werden. Dies kann z.B. durch einen Gipsverband oder durch Brüche und Verrenkungen in diesem Bereich geschehen. Typisch für das Fibulaköpfchen-Syndrom sind nach unten ausstrahlende Schmerzen bei Druck auf den Nerv.

- Tibialis-anterior-Syndrom
Das Tibialis-anterior-Syndrom ist ebenfalls ein sog. Kompressionssyndrom und geht mit Schmerzen an der Schienbeinvorderseite einher, welche durch eine Nervenkompression in der Tibialisloge verursacht werden. Das akute Tibialis-anterior-Syndrom ist ein Notfall, welcher sofort operativ behandelt werden muss.

- Tarsaltunnelsyndrom
Man unterscheidet das vordere vom hinteren Tarsaltunnelsyndrom. Das vordere Tarsaltunnelsyndrom entsteht durch die Kompression des N. peroneus profundus (Nervenast des N. ischiadicus) unter dem Ligamentum cruciatum am Fußrücken, z.B. durch zu enges Schuhwerk. Das hintere Tarsaltunnelsyndrom ist auch ein Nervenkompressionssyndrom und entsteht durch eine Kompression zwischen dem Innenknöchel und dem Retinaculum flexorum.

- Morton-Neuralgie
Bei der Morton-Neuralgie kommt es durch eine Neurombildung (gutartige Nervenauftreibung) zu einem Druck auf die Nn. digitales II-IV. Hierdurch entstehen brennende Schmerzen im Bereich der vorderen Fußsohle.

Beinschmerzen, die vom N. femoralis ausgehen können je nach Lokalisation unterschiedliche Ursachen haben:

- Nervenwurzeln L1-L4

- im Becken


Beinschmerzen können in diesem Bereich durch Tumoren im Becken um des weiblichen Genitals verursacht werden, welche den N. femoralis komprimieren. Weitere Ursachen sind Operationen wie Herniotomie (Leistenbruchoperation), Hysterektomie (Gebärmutterentfernung), TEP (künstliches Hüftgelenk) und ein aortofemoraler Bypass (künstliche Gefäßverbindung zwischen Bauch- und Oberschenkelarterie). Darüber hinaus können noch Aneurysmen, Einblutungen infolge einer Marcumarbehandlung und Bestrahlungsfolgen Beinschmerzen verursachen.

- im Bereich des Ligamentum inguinale
in diesem Bereich werden Beinschmerzen häufig durch Kompression des N. femoralis durch eine Schenkelhernie (Leistenbruch) verursacht.

- im Bereich des Kniegelenks
Beinschmerzen, die vom Kniegelenk ausgehen können beispielsweise durch einen Erguss (Reizerguss) verursacht werden.

Beinschmerzen, die vom Plexus lumbalis ausgehen:

- Meralgia paraesthetica

Bei dieser Erkrankung handelt es sich um eine isolierte Neuritis (Nervenentzündung) des N. cutaneus femoris lateralis, welche mechanisch, z.B. durch Kompression, toxisch, z.B. bei Alkoholismus, und infektiös, z.B. bei Syphilis, verursacht werden kann. Typische Symptome dieser Erkrankung sind Brennschmerzen und Empfindungsstörungen an der Oberschenkelaußenseite, sowie Druckschmerzen einwärts vom vorderen oberen Darmbeinstachel.

- Nervenschädigung des N. obturatorius

Beinschmerzen können auch durch Störungen oder Schädigungen des Nervus obturatorius verursacht werden. Die Schmerzen und Missempfindungen entsprechen dabei dem Versorgungsgebiet des Nervs und treten im Bereich des unteren, inneren Oberschenkels mit Ausstrahlung ins Knie auf.

- Wartenberg-Syndrom
Das Wartenberg-Syndrom ist durch wandernde Beinschmerzen im Versorgungsgebiet des N. obturatorius (Oberschenkelinnenseite), N. cutaneus femoris lateralis (Oberschenkelaußenseite) und des N. femoralis (vorderer Ober- sowie innerer und vorderer Unterschenkel) gekennzeichnet. Die Ursachen dieser wandernden Polyneuritis sind noch unbekannt.

Beinschmerzen, die von Blutgefäßen ausgehen:

- chronisch venöse Insuffizienz

bei dieser Erkrankung handelt es sich um eine venöse Abflußstörung. Durch diese Stauung kommt es tagsüber zu einem zunehmenden Schwere- und Schmerzgefühl der Beine, sowie deren Schwellung.

- postthrombotisches Syndrom

- arterielle Durchblutungsstörungen

Arterielle Durchblutungsstörungen können sowohl organische als auch funktionell-vasospastische Ursachen haben. Typische arterielle Durchblutungsstörungen die zu Beinschmerzen führen können sind der Ergotismus (Vergiftung durch „Mutterkorn“), der Morbus Raynaud, die Schaufensterkrankheit (Claudicatio intermittens), eine Embolie, die obliterierende Atherosklerose, die Thrombangitis obliterans und die pAVK (periphere arterielle Verschlusskrankheit).

Weitere Erkrankungen die zu Beinschmerzen führen können:

- Morbus Sudeck (CRPS Typ I)
- Affektionen des Kniegelenks
- Knochenbrüche
- Knochenhautentzündung (Periostitis)
- Knochenentzündung (Ostitis)
- Knochenmarkentzündung (Osteomyelitis)
- Polyarthritis
- Polyneuropathie
- Fiebrige grippale Infekte


Therapie: Beinschmerz


Bei der Therapie von Beinschmerzen kommen im ersten Schritt allgemeine Therapieansätze zum Einsatz. Zeigen diese zu wenig Wirkung, oder werden die Beschwerden chronisch (Schmerzen länger als 3-6 Monate) sind Konzepte der „speziellen Schmerztherapie“ bzw. weiterführende multimodale Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik gefragt. Dabei gilt generell: „Je früher, desto besser“.

Details:

1. Allgemeine Therapien

a) Medikamentöse Schmerztherapie:

Bei akuten (plötzlich einsetzenden, heftigen) und subakuten (eher schleichend verlaufenden) Schmerzen können zunächst bzw. vorwiegend peripher wirkende Schmerzmittel (Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken) eingesetzt werden. Insbesondere sind hier sog. nicht steroidale Antirheumatika (= „Rheumamittel“) zu erwähnen, aus dieser Gruppe möglichst lang wirkende und magenschonende, zum Beispiel Mobec®. Sehr magenschonend und zudem auch entzündungshemmend sind sog. COX-2 Inhibitoren ((z. B. Parecoxib (Dynastat®) o. Etoricoxib (Arcoxia®)). Bei starken, schmerzhaften Muskelverspannungen können ergänzend Muskelrelaxanzien (Mittel zur Muskelentspannung) (z. B. Norflex®, Mydocalm®) eine Lösung sein. Schwere Schmerzen sind manchmal dagegen nur durch zentral (im Gehirn / Rückenmark) wirkende Analgetika (z. B. Tramadol, Valoron N®) zu lindern. Auf die Gefahr einer Schmerzmittelgewöhnung oder gar -abhängigkeit ist grundsätzlich zu achten. Eine Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva (Mittel gegen Depression, u.a. aber auch z. T. bei Schmerzen wirksam) kann in vielen Fällen Schmerzmittel einsparen. Bei einem mehr anfallsartigen Schmerz können des Weiteren auch Antiepileptika versucht werden (z. B. Carbamazepin, Gabapentin oder Pregabalin).

b) Akupunktur

c) Gezielte psychotherapeutische Ansätze
(bei psychosomatischen Hintergründen)

d) Physikalische Therapie - z. B.: T.E.N.S., Wärme, Kälte, Physiotherapie, Chirotherapie,..




2. Weitere Behandlungskonzepte einer Fachklinik

<?  Therapie & Behandlungskonzepte bei Beinschmerz



Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim


Arm und Beinschmerzen Krankheit   Arm und Beinschmerzen Home

Verwandte Suchbegriffe zu Arm und Beinschmerzen:
Beinschmerzen, Armschmerzen, Brachialgie, Armneuralgie, Armbeschwerden, Beinbeschwerden, Gliederschmerz, Extremitätenschmerz

Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser
Weitere Information zu Arm- und Beinschmerzen finden Sie unter folgenden verwandten Themen Armschmerzen und Beinschmerz-Formen weitere Themen...

Verwandte Schmerz-Themen von Arm und Beinschmerzen

Arm und Beinschmerzen Top6 Krankheiten

Krankheiten Arm und Beinschmerzen A-Z:

Sponsorenbereich
Anzeige

Anzeige
Aktuelle Gesundheitsnachrichten

Podologie: Neue Vergütungsregelungen für 2018
(12.12.17) Der AOK-Bundesverband und die Berufsverbände der Podologen haben sich frühzeitig auf neue Vergütungssätze für den Bereich der Podologie verständigt. Diese treten am 1. Januar bzw. 1. Mai 2018 in Kraft. Erstmals haben die Berufsverbände der Podologen und der AOK-Bundesverband Vergütungsregelungen für einen längeren Zeitraum getroffen. Die Preisvereinbarungen gelten für jeweils 32 Monate und werden in drei Stufen umgesetzt.
Artikel lesen...

Pflege erhält einen Platz in der WHO
(11.12.17) Seit Mitte Oktober ist die Pflege in der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vertreten. Elizabeth Iro wurde als Chief Nursing Officer in das Führungsteam des WHO-Generaldirektors Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus berufen. Das hat die WHO mitgeteilt. Mit Iros Berufung löst der Dirketor ein Versprechen ein, dass er im Mai dieses Jahres beim Weltkongress der Pflegeberufe in Barcelona gegeben hatte.
Artikel lesen...

Krebs-Op: Bessere Qualität durch gebündelte Expertise
(08.12.17.) Mindestmengen sind umstritten. Gerade bei der Versorgung von Krebspatienten haben sie sich aber bewährt, sind sich Experten einig. Eine Analyse von DRG-Daten stützt diese Einschätzung: Die postoperative Sterblichkeitsrate in Kliniken mit mehr als 75 Lungenkrebs-Op pro Jahr ist fast 40 Prozent niedriger. Bewährt haben sich auch Zentren, die in der Regel ein komplettes ambulant-stationäres Netzwerk bieten.
Artikel lesen...

Weiterführende Links



Anzeige